Ein etwas spinnerter Artikel über eine Idee, die sich auf einmal gar nicht mehr so komisch anfühlt…

Wenn mehrere Sachen zusammenkommen.

Ich bekomme einmal die Woche über den Verteiler von Judith Peters eine Idee für einen Blogartikel. Diese Woche war es der Vorschlag, einen Artikel zu schreiben, der am 1.4. als Aprilscherz veröffentlicht wird.

Es sollte ein Thema sein, dass durchaus sogar in seiner Absurdität sein könnte und trotzdem nicht wirklich ernst gemeint. Eigentlich sollte auch erst am Ende des Artikels offen gelegt werden, dass es ein Scherz ist. Ich habe mich hier fürs offen legen entschieden.

So fing ich an zu überlegen, was das denn bei mir sein könnte.

Eigentlich wollte ich einfach nur eine Idee entwickeln, die ein bisschen überzeichnet ist, vielleicht ein wenig provoziert und gleichzeitig zum Schmunzeln bringt. Etwas, bei dem man kurz innehält und sich fragt, ob es vielleicht doch wahr sein könnte.

Und während ich so darüber nachgedacht habe, sind mir zwei Ideen gekommen, die mich seitdem nicht mehr ganz loslassen.

Die erste war fast schon naheliegend aus meiner Arbeit heraus gedacht.

Frauenkreise für Männer. Räume, in denen Männer sich mit ihrer eigenen Innenwelt auseinandersetzen, mit Empathie, mit Verantwortung, mit all den Anteilen, die in unserer Gesellschaft wenig Platz haben. Je länger ich darüber nachgedacht habe, desto weniger hat es sich wie ein Witz angefühlt. Also keine Männerkreise für Männer, sondern Frauenkreise. Als Möglichkeit, sich mit ihrer inneren Frau auseinander zu setzen.

Und dann kam die zweite Idee.

Mir reicht’s. Ich gründe eine Partei.

Ich habe mich selbst ein wenig darüber gewundert, wie ernst sich dieser Gedanke plötzlich angefühlt hat. Ich würde mich nicht als allzu politischen Menschen bezeichnen. Bzw. als niemanden, der das Tagesgeschäft Politik sonderlich ansprechend findet. Mein Wirken findet in Frauenkreisen statt, in schamanischen Räumen, in der Begleitung von inneren Prozessen. Und gleichzeitig habe ich gemerkt, wie sehr mich das, was gerade gesellschaftlich passiert, berührt. Beürhrt ist vielleicht noch etwas zu nett ausgedrückt. Es macht mich fassungslos, was da gerade passiert. Was der Mensch, der gerade Kanzler ist, tut und auch nicht tut. Was gesagt wird und vor allem, wie gehandelt wird. Das macht mich derzeit so wütend und gleichzeitig schwingt da auch immer so ein ohnmächtiges Gefühl mit.

Also habe ich angefangen zu recherchieren.

Wie gründet man eigentlich eine Partei?

Und die Antwort war überraschend. Eingentlich ganz einfach und definitv kein Hexenwerk. Und in dem Moment kam die nächste Frage fast von selbst.

Warum eigentlich nicht.

Wenn so viele Frauen spüren, dass sich etwas grundlegend verändern muss, wenn so viele mit dem, was gerade geschieht, nicht einverstanden sind, warum entsteht daraus so wenig sichtbare Gestaltungskraft.

Und genau an diesem Punkt ist die Idee entstanden.

Die Partei der großen Göttin.

Eine Partei, die sich nicht an bestehenden Machtstrukturen orientiert, sondern an dem, was in Frauenkreisen längst erfahrbar ist. Eine andere Form von Miteinander. Eine andere Art, Entscheidungen zu treffen. Eine andere Qualität von Führung.

Ich stelle mir vor, dass Menschen sich im Kreis begegnen. Dass gehört wird, dass Verantwortung geteilt wird und dass Entscheidungen gemeinsam getragen werden. Dass es Zeit braucht und dass genau darin eine neue Form von Qualität entsteht.

Diese Vorstellung wirkt im ersten Moment groß. Vielleicht auch ein wenig unrealistisch. Und gleichzeitig entsteht beim Weiterdenken eine erstaunliche Klarheit.

Frauenrechte wären keine Randnotiz mehr, sondern Grundlage. Schutzräume wären selbstverständlich. Orte, die gehalten werden, in denen Frauen sich bewegen können, ohne sich erklären zu müssen. Die Erde würde als unsere große Mutter wie selbstverständlich mit einbezogen.

Und irgendwo auf diesem Weg tauchte die erste Idee wieder auf.

Frauenkreise für Männer.

Räume, in denen Männer sich mit dem auseinandersetzen, was sie in dieser Gesellschaft gelernt haben zu unterdrücken. Räume, in denen Verantwortung übernommen wird, nicht aus Druck, sondern aus Einsicht.

Je länger ich darüber schreibe, desto mehr verschiebt sich etwas.

Was als spinnerte Idee begonnen hat, bekommt plötzlich Substanz. Ich meine, Frauen  machen die Hälfte der deutschen Bevölkerung aus und ich kenne keine, die nicht in irgendeiner Form von diesem toxischen System names Patriarchat betroffen wäre. 

Für wen die Partei der großen Göttin gedacht ist

Diese Partei wäre im Grunde für jede Frau gedacht.

Für jede, die spürt, dass das System, in dem wir leben, sie mehr Kraft kostet, als es sie trägt. Für jede, die erlebt, wie tief Ungleichheit in den Alltag hineinwirkt. Für jede, die es satt hat, sich erklären zu müssen, sich anzupassen, sich kleiner zu machen, als sie ist.

Für Frauen, die die Hauptlast von Care Arbeit tragen und gleichzeitig in Strukturen leben, die genau diese Arbeit kaum sichtbar machen. Für Frauen, die immer wieder an Grenzen stoßen, die nicht ihre eigenen sind. Für Frauen, die sich nach einem Leben sehnen, in dem sie sich sicher bewegen können.

Und auch für Frauen, die ganz klar spüren, dass es so nicht weitergehen kann.

Wenn man diesen Gedanken weiterspinnt, entsteht ein Bild von einem Leben, das sich anders anfühlt. Ein Leben mit mehr Verbindung, mehr gegenseitiger Unterstützung und mehr innerer Ruhe. Ein Leben, in dem nicht ständig mitgedacht werden muss, was passieren könnte, sondern in dem Sicherheit Teil des Alltags ist.

Darunter liegt noch etwas Tieferes.

Die Möglichkeit, all das zu wandeln, was über Generationen hinweg entstanden ist. Die Trennung, die Gewalt, die Verzerrung von Beziehungen. Und daraus etwas entstehen zu lassen, das tragfähig ist.

Ein Leben, das von Freiheit geprägt ist. Von Verantwortung. Und von einem echten Miteinander.

Du willst auch Teil der Partei der großen Göttin werden?

Vielleicht liest du das hier und merkst, dass dieser spinnerte Gedanke was mit dir macht. Dass da etwas in dir anklingt, das nicht einfach wieder verschwindet, wenn du den Artikel schließt.

Genau an diesem Punkt wird es spannend.

Denn die Partei der großen Göttin ist im Moment ein Arbeitstitel. Eine Idee, die aus einem Aprilscherz heraus entstanden ist und die gleichzeitig eine Frage geöffnet hat, die größer ist als dieser Artikel.

Wie können Frauen handlungsfähiger werden? Machtvoller? 

Wie können wir mehr Gestaltungskraft entwickeln, ohne dabei in alte Muster zu fallen. Wie können Räume entstehen, die tragen, verbinden und gleichzeitig Klarheit ermöglichen.

Diese Fragen lassen sich nicht alleine beantworten. Sie entstehen im gemeinsamen Weiterdenken.

Wenn du magst, nimm diesen Gedanken mit. Spüre hinein, was er bei dir auslöst. Welche Bilder auftauchen, welche Ideen sich zeigen.

Und wenn du Lust hast, teile sie.

Schreib mir in die Kommentare, wie du so etwas nennen würdest, wie es für dich aussehen könnte, was dir wichtig wäre. Wie gesagt, die „Partei der großen Göttin“ ist bisher ein Arbeitstitel.

Ich bin gespannt, welche Richtungen sich zeigen, wenn wir diesen Raum gemeinsam öffnen.

Und ja, das ist -erstmal- als Aprilscherz gedacht

Dieser Artikel ist im Rahmen eines Aprilscherzes entstanden. Ich habe nicht vor, eine Partei zu gründen.

Und gleichzeitig habe ich beim Schreiben gemerkt, dass die Energie, die hinter dieser verrückten Idee liegt, da ist. Dass hinter der Übertreibung ein Thema liegt, das nicht einfach wieder verschwindet.

Vielleicht liegt genau darin die eigentliche Qualität solcher Ideen.

Dass sie einen Raum öffnen, in dem etwas gedacht werden darf, das vorher keinen Platz hatte.

Und vielleicht beginnt Veränderung genau dort.

Was sind deine Gedanken dazu? Schreibe es mir gerne in die Kommentare.